Presse
16.12.2010, 14:05 Uhr
„Ich wollte nicht nur meckern, sondern gestalten“
Joachim König und Lothar Gohmann über den Wandel der CDU / Theodor Pohlmeyer regte vor 65 Jahren die Gründung einer Kreis-Union an
 Kommt die CDU ins Rentenalter? Vor 65 Jahren wurde der Grundstein für die Union gelegt. Im Ruhestand sehen die Kommunalpolitiker Lothar Gohmann und Joachim König die Partei aber nicht. „Eine Partei wird nicht alt, sie lebt und wächst nach“, sagt der aktuelle Stadtverbandsvorsitzende Gohmann.

Nachdenklich: Der ehemalige Kommunalpolitiker Joachim König findet auf dem Sofa im seinem Wohnzimmer Zeit, tief in die Geschichte der CDU einzutauchen.

Kurz nach Kriegsende 1945 bildeten sich politische Gruppierungen heraus. Eine Gemeinsamkeit war das christliche Bekenntnis. Im Dezember (14. bis 16.) trafen sich in Bad Godesberg Vertreter verschiedener christlich-demokratischer Gruppen zum ersten Reichstreffen. Die Teilnehmer einigten sich auf einen Zusammenschluss und den Namen Christlich-Demokratische Union Deutschlands, kurz CDU.

Daraufhin rief Rechtsanwalt Theodor Pohlmeyer aus Bad Oeynhausen in einem Flugblatt die Bevölkerung im Altkreis Minden ebenfalls zu einem Treffen auf. Zweck: die Gründung einer Kreis-Union. Im Juni 1946 gab es in Bad Oeynhausen, Rehme, Eidinghausen, Werste und Lohe bereits Ortsvereine. „Für die CDU Werste liegt uns eine lückenlose Chronik vor“, sagt der aktuelle Stadtverbandsvorsitzende Lothar Gohmann. Sie wurde am 11. Mai 1946 gegründet.

Die Vereinigung zu einem gemeinsamen Stadtverband folgte nach der Gebietsreform 1973. Ein Jahr zuvor trat Joachim König als 34-Jähriger in die CDU ein und gehört neben Fritz Thies, Gerhard Rohlfing, Hans Peter Kuhnen und Dieter Fürste zu den dienstältesten Unionspolitikern in Bad Oeynhausen. „Ich wollte nicht nur meckern, sondern gestalten“, sagt König. Als Jugendlicher verfolgte er politische Debatten im Radio. Für Parteiarbeit fand er aber erst Zeit, nachdem er sich beruflich als Lokführer und familiär gefestigt hatte und – seit 1965 – im Stadtteil Werste sesshaft wurde. Der Eintritt in die CDU lag trotz der SPD-Dominanz nahe. Konrad Adenauer und Theodor Heuss waren für ihn politische Vorbilder. „Außerdem komme ich aus einer erzkatholischen Familie.“ Heute spiele das Attribut christlich keine so große Rolle wie in den Anfangsjahren, meint König, der viele Jahre aktiv in der Kommunalpolitik mitmischte. 1976 wurde er zum Vorsitzenden der Ortsunion Werste gewählt, bis 1999 war er im Stadtrat vertreten, teilweise als stellvertretender Bürgermeister. 1994 übernahm er für fünf Jahre das Amt des Stadtverbandsvorsitzenden und wechselte 1999 in den Kreistag.

„Wir haben uns damals auch nicht mit Samthandschuhen angefasst und gestritten. Aber wir haben uns nicht öffentlich beschimpft und niedergemacht“, vermisst er heute die sachliche Debatte sowohl in der Lokal- als auch in der Bundespolitik. „Solche Äußerungen gegenüber der Parteispitze wie sie Wolfgang Kubicki gemacht hat, hätte ich mir nie erlaubt.“ Für König bedeutet das „C“ in der CDU soziale Verantwortung für die nächsten Generationen und menschliches Miteinander.

Früher habe es mehr Interesse an Politik gegeben. „Oft gab es mehrere Bewerber für einen Posten. Wenn man nach oben wollte, musste man Leistung bringen und alle Instanzen durchlaufen.“ Stallgeruch war Pflicht. Heute seien geeignete Kandidaten für Posten in der Parteiführung rar. „Die Jugend versucht, etwas zu bewegen, aber sie bindet sich nicht mehr so an die Partei wie wir.“

Seinem Sohn hat König die Politik schmackhaft gemacht, er ist ebenfalls Mitglied der CDU. Und manchmal diskutieren sie über das aktuelle Geschehen, denn das verfolgt König, der 2009 seine Ämter niederlegte, immer noch. Ausgenommen die Nordumgehung. „Das Thema ist in der gesamten Verwandtschaft tabu. Sonst eskaliert es leicht.“

Gohmann – seit 1988 in der CDU – sieht das ähnlich: „Wenn ich mich mit Freunden oder Verwandten treffe, meiden wir die Themen Kirche und Politik.“ Über Stärken und Schwächen getroffener politischer Entscheidungen reden beide nicht gern. „Beschlüsse sind immer zeitgebunden“, sagt König, „manches würde ich heute vielleicht anders bewerten.“ In der Haut der Bundeskanzlerin wolle er nicht stecken, weil alle Volksparteien vor großen Umwälzungen stünden. „Die Zeit der absoluten Mehrheiten ist vorbei.“

SIGURD GRINGEL

 

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